SAPALDIA-Studie in Montana: «Sag mir, was du einatmest…»
Nach 1991 und 2001 wurde vor kurzem die dritte Durchführung der SAPALDIA-Studie über Luftverschmutzung und Atemwegs- und Herzkrankheiten bei Erwachsenen in den acht Schweizer Zentren abgeschlossen. Zu den letzteren gehört auch die Walliser Lungenklinik in Montana, die wie die anderen Zentren Partner der Studie ist. Die Detailresultate werden in rund vier Jahren vorliegen.
Von den acht Zentren in der ganzen Schweiz, die an der SAPALDIA-Studie (Swiss Study on Air Pollution And Lung Diseases In Adults) teilgenommen haben, verzeichnete die Walliser Lungenklinik in Montana die höchste Teilnahmequote. «In diesem Zentrum zeigten die Teilnehmenden der Studie das grösste Engagement und beteiligten sich sehr gewissenhaft an der Untersuchung», stellt Professor Jean-Marie Tschopp, der lokale Studienleiter, mit Befriedigung fest. Knapp 600 Walliserinnen und Walliser waren bereit, sich einer ganzen Reihe von Tests und Analysen zu unterziehen. Die freiwilligen Teilnehmenden der Studie mussten auch einen Fragebogen zu ihrem Gesundheitszustand, ihrer Lebensweise und weiteren Einflussfaktoren ausfüllen.
 Die Pflegefachfrauen Christine Darioly (links) und Myriam Maire haben die SAPALDIA-Studie in Montana durchgeführt. (Le Nouvelliste - Arbellay) |
Aus den ersten beiden Runden der SAPALDIA-Studie in den Jahren 1991 und 2001 konnten bereits wesentliche neue Erkenntnisse zu den komplexen Auswirkungen der Luftverschmutzung auf die Atemfunktion gezogen werden. Die nach 1991 verzeichneten Ergebnisse haben entscheidend zur Einführung eines neuen Grenzwerts für die Feinstaubbelastung in der Schweiz beigetragen.
Auf der Grundlage der Daten, die bei den 6000 Schweizerinnen und Schweizern erhoben wurden, welche an der Studie in den Jahren 2010 und 2011 teilgenommen haben, kann festgestellt werden, ob die Verbesserung der Luftqualität nicht nur positive Auswirkungen auf die Lunge, sondern auch auf das Herz und den Blutkreislauf hat. Die Wissenschaftler interessierten sich für die natürlichen Schwankungen des Herzrhythmus bei den Teilnehmenden der Studie und für die Faktoren, die ihn beeinflussen. Untersucht wurden von den Wissenschaftlern auch die Zusammenhänge zwischen der Luftqualität und der Arteriosklerose (entzündliche Erkrankung der grossen Arterien). «Wir werden besser verstehen, welche Bedeutung das Atmen von gesunder Luft hat. Die künftigen Generationen werden uns für diese Erkenntnisse dankbar sein», betont Professor Tschopp.
Aufgrund der grossen Zahl von analysierten Parametern und der Komplexität der erhobenen Daten muss man sich noch etwa vier Jahre gedulden, bis aus der SAPALDIA-Studie 3 Schlussfolgerungen gezogen werden können. Unter Berücksichtigung der Gesamtdauer seit der ersten Studie im Jahr 1991 ist dieser Zeitraum jedoch nur ein Pappenstiel. Die Weiterverfolgung der Ergebnisse «ist von sehr grossem medizinischen und wissenschaftlichen Interesse und ermöglicht Rückschlüsse zur Entwicklung des Gesundheitszustands der Studiengruppe über die letzten 20 Jahre», erklärt Professor Tschopp. Dank der Bereitschaft von Probanden in der ganzen Schweiz und insbesondere in Montana, an der Studie teilzunehmen, können Präventionsmassnahmen und Behandlungen entwickelt werden, die für alle von Vorteil sein werden: «Der langfristige Nutzen der SAPALDIA-Studie ist für die Gesellschaft zweifellos grösser als für die Teilnehmenden der Studie selbst. Aus diesem Grund danken wir Ihnen herzlich für Ihre Teilnahme.»
Informationen im Internet: www.sapaldia.net
Die SAPALDIA-Studie
Die SAPALDIA-Studie ist eine Multizenterstudie, die in acht Schweizer Regionen (Aarau, Basel, Davos, Genf, Lugano, Montana, Payerne und Wald) durchgeführt wird. Diese Regionen wurden aufgrund ihrer unterschiedlichen und für unser Land repräsentativen Bedingungen bezüglich Umwelt, Meteorologie und Demographie ausgewählt. SAPALDIA ist eine Abkürzung der englischen Studienbezeichnung (Swiss cohort study on Air Pollution And Lung and heart Diseases In Adults), d. h. «Schweizer Kohortenstudie über Luftverschmutzung und Atemwegs- und Herzkrankheiten bei Erwachsenen».
SAPALDIA wurde im Jahr 1991 lanciert (SAPALDIA 1), und 2002-2003 wurden alle Teilnehmenden der Studie ein zweites Mal zu einer entsprechenden Untersuchung eingeladen (SAPALDIA 2). Die dritte Untersuchungsrunde erfolgt im Zeitraum 2010-2011.
Auf diese Weise können bei der Studiengruppe die folgenden Elemente untersucht werden:
- Prävalenz und Auftreten von Symptomen, Atemwegs- und Allergieerkrankungen sowie altersbedingte Abnahme der Lungenfunktionen
- Variabilität des Herzrhythmus bei Personen über 50 Jahren
- Zusammenhang zwischen diesen Gesundheitsindikatoren und der langfristigen individuellen Exposition gegenüber der Luftverschmutzung, dem Einatmen von anderen schädlichen Substanzen, der Lebensweise und der genetischen Anlagen der untersuchten Personen.
Die WHO und der Europäische Forschungsrat haben die Bedeutung von SAPALDIA als eine der wenigen Kohortenstudien, die auf der europäischen Bevölkerung beruhen, anerkannt. Die Studie ist gut geeignet, um in den kommenden Jahren entscheidende epidemiologische Fragen im Zusammenhang mit der Luftverschmutzung sowie Fragen zur umweltabhängigen Bevölkerungsgesundheit zu untersuchen.