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Neuer Behandlungspfad im Wallis

Neuer Behandlungspfad im Wallis

Am Dienstag, 29. Oktober, ist Welt-Schlaganfall-Tag. Zu diesem Anlass möchte das Spital Wallis die Bevölkerung und die Gesundheitsfachpersonen für das Thema Schlaganfall sensibilisieren.

Im November wird im Wallis ein neuer Behandlungspfad für Schlaganfallpatienten eingeführt. Das Vorgehen bei einem Schlaganfall wird – neben mehreren anderen Notfallszenarien – auch an der Gesundheitsmesse Planète Santé vom 14. bis 17. November in Martinach thematisiert.

Alle 30 Minuten erleidet jemand in der Schweiz einen Schlaganfall (auch Hirnschlag genannt). Ein Viertel der Betroffenen stirbt und ein Drittel hat bleibende Behinderungen. Durch die schnelle Behandlung in einer sogenannten «Stroke Unit» (von englisch stroke = Schlaganfall) können die Überlebenschancen erhöht und die Folgeschäden verringert werden.

Neuer Behandlungspfad im Wallis: für den Notfall gerüstet

Neueste Studien bestätigen, dass eine schnelle Behandlung bei einem Schlaganfall das A und O ist. In diesem Zusammenhang hört man oft den Slogan: «Time is brain» – Zeit ist Hirn. Jede Minute zählt!

Es wurde ein genau definierter Behandlungspfad für Schlaganfallpatienten im Wallis erarbeitet, welcher ab November in Zusammenarbeit mit der Kantonalen Walliser Rettungsorganisation (KWRO), den Notfall- und Neurologieabteilungen des Spitalzentrums Oberwallis (SZO) und des Spitalzentrums des französischsprachigen Wallis (CHVR) sowie den Universitätsspitälern Lausanne, Genf und Bern und dem Spital Rennaz umgesetzt wird. Das heisst: Die Patienten werden je nach Schweregrad und Zeit, die bereits verstrichen ist, umgehend der richtigen Einrichtung zugewiesen.

In der letzten Zeit haben vor allem zwei Aspekte die Schlaganfallversorgung massgeblich verbessert. Auf diese gehen wir nachfolgend ein:

  1. Stroke Unit
    In der Schweiz gibt es ein ganzes Netzwerk von zertifizierten «Stroke Centers» und «Stroke Units». Dies sind spezialisierte Schlaganfallzentren und -stationen in Spitälern und Kliniken, die strenge Kriterien erfüllen müssen. Die Stroke Unit von Sitten gibt es bereits seit 2013. Sie wird von Dr. Christophe Bonvin, Leitender Arzt der Neurologieabteilung, geführt. «Die Zahl der behandelten Patienten in unserer multidisziplinären Stroke Unit nimmt jedes Jahr zu und hat sich seit Beginn mehr als verdoppelt. Auf unserer Abteilung sind mittlerweile über 60% aller hospitalisierten Personen Schlaganfallpatienten», so Dr. Bonvin.
  2. Rekanalisation
    Bei 9 von 10 Schlaganfällen verstopft ein Blutpfropfen eine Ader im Hirn (ischämischer Schlaganfall). Es gibt zwei Techniken, um das entsprechende Gefäss vom Gerinnsel zu befreien:
  • die intravenöse Thrombolyse: Über eine Infusion wird ein Medikament in den Körper eingebracht, das den Pfropfen auflöst (Fibrinolyse), so dass die Durchblutung wieder funktioniert.
  • die mechanische Rekanalisation (Thrombektomie): Der Pfropfen wird mechanisch aus der Arterie «geholt». In den letzten Jahren hat diese Methode grosse Fortschritte gemacht, so dass sie heute sehr effizient und relativ risikoarm ist. Der hochspezialisierte Eingriff eignet sich nur in bestimmten Fällen und wird in einem Stroke Center durchgeführt.

Leider können nicht alle Patienten von diesen beiden Behandlungsoptionen profitieren. Es gilt: Je früher die Behandlung beginnt, desto grösser sind die Heilungschancen. In bestimmten Fällen kann die Rekanalisation auch noch 24 Stunden nach dem Schlaganfall zum Erfolg führen. Dies geht aus verschiedenen Studien der letzten zwei Jahre hervor und macht Hoffnung für Patienten, bei denen schon viel Zeit verstrichen ist. In diesen Fällen muss zuerst ein CT- oder MRI-Bild vom Hirn gemacht werden, um sich zu vergewissern, dass das betroffene Hirngewebe überlebensfähig ist. «Die Zahl der Rekanalisationen hat sich seit der Schaffung der Stroke Unit verdreifacht», freut sich Dr. Bonvin. «Das Vorgehen ist perfekt mit allen Beteiligten inner- und ausserhalb unseres Spitals abgestimmt. Das Resultat gibt uns recht. Jede Woche geschehen hier kleine Wunder mit manchmal spektakulären Ergebnissen dank der neuen Therapien. Die Grossmutter kann ohne einschneidende Behinderung wieder heim, der Familienvater kurze Zeit später schon wieder arbeiten – die soziale und berufliche Isolation bleibt ihnen erspart und manches Familiendrama kann so verhindert werden.»

Workshop und Konferenzen an der Walliser Gesundheitsmesse

Vom 14. bis 17. November findet im CERM in Martinach die Walliser Gesundheitsmesse statt. Die Bevölkerung kann sich hier über verschiedene Gesundheitsthemen informieren und interessante Animationen, Konferenzen und Podiumsdiskussionen erleben. Als einer der Hauptpartner dieses Events  bietet das Spital Wallis dem Publikum viel Interessantes zum Thema Schlaganfall.

So kann man zum Beispiel miterleben, was im Spital genau passiert, wenn ein Schlaganfallpatient eingeliefert wird, oder verschiedene Konferenzen zu diesem Thema besuchen.

Auszug aus dem Programm:

  • Workshop Schlaganfall: hautnah miterleben, wie die notfallmässige Versorgung von Schlaganfallpatienten funktioniert (Stand Spital Wallis, kontinuierlich an allen vier Messetagen, Deutsch und Französisch)
  • Les défis de l’AVC (Konferenz – Donnerstag, 14.11., 12.00-13.00 Uhr, Bühne C): Information zum Behandlungspfad Schlaganfall und zur Versorgung von der Notfallbehandlung bis zur Reha. Referenten: Dr. Christophe Bonvin, Spital Wallis – Dr. Andreas Mühl, CRR – Prof. Friedhelm Hummel, EPFL (Französisch)
  • AVC: comment agir? (Konferenz – Sonntag, 17.11., 14.00-15.00 Uhr, Bühne C): Tipps zur Erkennung und Verringerung des Risikos eines Schlaganfalls. Referent: Dr. Christophe Bonvin, Spital Wallis (Französisch)

Merken Sie sich die Hauptsymptome und reagieren Sie schnell!

Die nachstehenden Anzeichen sind charakteristisch für einen Schlaganfall, auch wenn sie vielleicht nach einigen Minuten wieder verschwinden. Sie müssen ernst genommen werden und bedingen eine sofortige Hospitalisation:

  • Plötzliche Schwäche, Lähmung oder Gefühlsstörung, meist nur auf einer Körperseite (Gesicht, Arm oder Bein)
  • Plötzliche Sehstörungen (manchmal nur auf einem Auge) oder Doppelbilder
  • Sprachstörungen oder Schwierigkeiten, Gesprochenes zu verstehen
  • Anhaltender intensiver Schwindel mit Gleichgewichtsstörungen
  • Plötzliche starke Kopfschmerzen mit neurologischen Störungen

Wenn eines dieser Symptome auftritt, rufen Sie sofort den Sanitätsnotruf 144 an. Verlangen Sie die Einweisung in ein Spital mit einer Stroke Unit, das auf die Akutversorgung von Schlaganfällen spezialisiert ist.

 

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