Das Spitalzentrum Oberwallis (SZO) setzt seit April 2022 auf die ERAS®-Behandlungsansätze im Bereich der Viszeralchirurgie. ERAS (Enhanced Recovery After Surgery) ist ein modernes Behandlungskonzept, das Patientinnen und Patienten durch gezielte Massnahmen vor, während und nach einer Operation schneller und sicherer genesen lässt. Durch evidenzbasierte Standards – von der optimalen Vorbereitung bis zur frühen Mobilisation – werden Komplikationen reduziert und die Erholungszeit deutlich verkürzt. 200 Personen konnten bisher am SZO vom Behandlungsprogramm profitieren.
Spitalzentrum Oberwallis betreut den 200. ERAS-Patienten in der Viszeralchirurgie
Das SZO hat vor kurzem den 200. Patienten im Rahmen des kolorektalen ERAS-Protokoll betreut. Seit der Einführung des Programms wurden die ERAS-Standards im interprofessionellen Team kontinuierlich weiterentwickelt und orientieren sich eng an den internationalen Guidelines.
Vor einem Jahr durfte das ERAS-Team auch am Weltkongress in Málaga, Spanien, teilnehmen. Der Austausch mit internationalen Expertinnen und Experten zeigte klar: Das Spitalzentrum Oberwallis ist mit seinen Strukturen und Prozessen hervorragend positioniert – und konnte dennoch zusätzliche wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung des Programms mitnehmen.
Konkrete Neuerungen seit dem 100. Patienten
Ein zunehmend wichtiger Schwerpunkt liegt mittlerweile auf dem prästationären Patient Blood Management. Im Rahmen der ERAS-Sprechstunde werden alle Patientinnen und Patienten systematisch auf eine mögliche Anämie untersucht. Bei nachgewiesenem Bedarf erfolgt bereits vor der Hospitalisation eine gezielte Therapie, um das perioperative Risiko zu senken und die postoperative Genesung zu unterstützen. Bislang wurden 101 Patientinnen und Patienten gescreent; 42% zeigten präoperativ eine Anämie. Aber auch Patienten, die keine Anämie haben, können einen Vitamin- oder Eisenmangel haben. Bei über 50% der ERAS-Patienten am SZO wurde im Vorfeld der Hospitalisation eine entsprechende Behandlung eingeleitet.
Ergänzend wurde der Fokus auf das frühzeitige Erkennen eines möglichen Prädiabetes verstärkt, und im Rahmen der Sprechstunde werden Patientinnen und Patienten systematisch anhand eines Risikofragebogens auf ein mögliches obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) untersucht.
Ebenfalls ausgeweitet wurde das postoperative Carboloading, das seit dem Kongressbesuch in Málaga um ein angereichertes Frappé erweitert wurde. Dies weil der Körper in der Phase nach der Operation sehr viel Energie und Eiweiss benötigt, um die Wunden zu heilen und den Stoffwechsel zu stabilisieren.
All diese Neuerungen optimieren den Gesundheitszustand vor dem Eingriff, reduzieren das Komplikationsrisiko und schaffen die besten Voraussetzungen für eine rasche postoperative Genesung.
Dress up und eine kleine Anekdote
Ein weiterer zentraler Bestandteil von ERAS ist das sogenannte Dress up: Patientinnen und Patienten tragen bereits am ersten Tag nach der Operation ihre eigene Kleidung. Bekannt ist, dass das Tragen der gewohnten Kleidung sowohl die Mobilisation als auch das physische und mentale Wohlbefinden fördert.
Wie gut dieses Prinzip im Spitalzentrum Oberwallis funktioniert, zeigte sich kürzlich in einer heiteren Alltagsszene: Als ein ERAS-Patient am Morgen nach der Operation nicht im Bett anzutreffen war, wurde beim Mitpatienten und dessen vermeintlichem Besucher nachgefragt, ob der ERAS-Patient vielleicht gerade unterwegs sei. Erst beim zweiten Blick stellte sich heraus, dass der „Besucher“ niemand anders war als der gesuchte Patient selbst – bereits angekleidet, mobil und damit so gar nicht mehr als frisch Operierter zu erkennen.
Die Anekdote zeigt mit einem Augenzwinkern, wie wirkungsvoll ERAS im Alltag ist – und wie selbstverständlich sich Patientinnen und Patienten mithilfe der modernen perioperativen Standards früh auf den Weg der Genesung machen.